Finger weg, auch wenn es schwerfällt

Richtiger Umgang mit Computer und Internet: Klaus Ebner im Tausgymnasium.
Foto: privat

Klaus Ebner von der Polizeidirektion Waiblingen warnte vor Gefahren im Internet – Volles Haus im Tausgymnasium


BACKNANG (pm). Über 100 Besucher drängten sich im Hörsaal des Gymnasiums in der Taus. Klaus Ebner von der Polizeidirektion Waiblingen referierte unter dem Titel „Gefangen im Netz der Neuen Medien“ vor Eltern der Schüler über Kostenfallen, Betrug, Internetauktionen und Mediensucht.
Die Veranstaltung zeigte einmal mehr das ausgezeichnete Schulklima. Es waren die engagierten Elternbeiräte unter der Führung ihrer Vorsitzenden Irene Vent, die wirkungsvoll für das Angebot von Schule und Förderverein geworben hatten. Die Kosten übernahm die Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen.
Wie wichtig gute Informationen zu diesem heiklen Thema sind, zeigte Klaus Ebner bereits in seiner Einführung. Allein im Rems-Murr-Kreis wurden im Jahr 2011 sage und schreibe 916 Fälle aktenkundig. Die Liste wird angeführt von 650 Betrugsfällen, dann folgen 145 Fälle von Computerkriminalität, 69 Urheberrechtsverletzungen und 35 Sexualdelikte sowie 17 Fälle unter Sonstiges.
Meist beginnt alles ganz harmlos. Mal kurz einen Routenplan herunterladen und dabei das Kleingedruckte im endlos langen, winzig eingeblendeten Fenster nicht bis zum Schluss durchscrollen und lesen, schon kann man ein übel teures Abo mit gar nicht freundlichen Mahnungen am Hals haben. Gut zu erfahren, dass der Gesetzgeber da mittlerweile einen Riegel vorgeschoben hat und Kosten deutlich sichtbar ausgewiesen sein müssen. Spannend kann es immer werden, wenn nach E-Mail-Daten und der Echt-Adresse gefragt wird. Auch bei Internetauktionen ist Vorsicht geboten. Entdeckte doch der Referent seinen Traumwagen zu einem sehr erschwinglichen Preis im großen World Wide Web. Allerdings in einem fernen Land. Mit viel Humor und zugleich sehr eindringlich zeigte Ebner die Probleme auf, die auf einen Käufer anstelle des Traumwagens zurollen können. Das Fazit des Experten war einfach: Finger weg, auch wenn es schwerfällt. Als Sofortmaßnahme den Rechner erst mal für eine Stunde ausschalten und dann prüfen, ob man das Objekt der Träume immer noch braucht. Wesentlich gemeiner ist die Gefahr des Phishings. Dieses Kunstwort ist zusammengezogen aus Password und Fishing und bezeichnet perfide Versuche, mit gefälschten Seiten an Passwörter zum Beispiel von Konten heranzukommen. Plötzlich geht eine Seite auf, die in betrügerischer Weise der Internetseite eines seriösen Instituts nachgebildet ist. Mit einer vorgegaukelten Überprüfung ausgerechnet zum Schutz vor Betrügereien wird das potenzielle Opfer aufgefordert, sensible Daten einzugeben. Mit deren Hilfe wird dann von einem anderen Erdteil aus das Konto leer geräumt. Wer gar nicht oder nicht mit der betreffenden Karte im Ausland bezahlt, kann sich relativ leicht schützen. Es muss nur die Karte für den Auslandseinsatz gesperrt werden. Kein Problem, wenn man für Reisen eine extra Karte hat, die man zu Hause nicht verwendet.
Ein großes Problem ist auch der Medienkonsum, der leicht in eine Mediensucht ausarten kann. Lebensnah zeigte der Referent Situationen auch aus der eigenen Familie auf, die je nach Lage der Dinge bei den Zuhörern zu bedächtigem Kopfnicken oder zu Lachsalven führten. Eines war schnell klar: Die modernen Medien können weder verboten noch ferngehalten werden. Alle sind ihnen ausgeliefert. Es kann nur darum gehen, wie damit umgegangen wird. Für Eltern bedeutet das, sich Zeit zu nehmen und mit ihren Kindern zu reden, den Computereinsatz zu besprechen und im richtigen Moment auch mal einfach zu vertrauen. So wollen Kinder nicht unbedingt ihre Eltern als Freunde im sozialen Netzwerk haben.
Der Vortrag für die Eltern ist Teil eines zwischen Schule, Eltern und Förderverein abgestimmten Konzepts, das auch zwei im Unterricht integrierte Veranstaltungen für die richtige Altersgruppe, die Schüler der achten Klassen, vorsieht. Eine Doppelstunde bestreitet ein Fachmann von der Polizei in Backnang, eine weitere Doppelstunde hält ein ehemaliger Schüler des Tausgymnasiums, der eine Anwaltskanzlei mit dem Spezialgebiet Urheberrecht betreibt. Am Ende stand fest, dass ein hellwacher Umgang mit Computer und Internet in Verbindung mit ausgeprägter Vorsicht der beste Schutz vor den Gefahren des Internets ist. Denn über allem steht eine Tatsache: Der Inhaber der IP-Nummer, mit deren Hilfe der ach so anonyme Anschluss an das große Netz einwandfrei identifiziert werden kann, ist verantwortlich und wird zur Rechenschaft gezogen. Egal wer am Gerät dran war. Zum Abschluss gab es noch viele Fragen, die erst im Plenum und dann bei einem vom Förderverein mit der Vorsitzenden Cornelia Nabel ausgerichteten Stehempfang in vielen Einzelgesprächen beantwortet wurden.

BKZ-Artikel vom 12.03.2013