Vom Egomanen zum Pantoffelhelden

Zeigten ein engagiertes Spiel: Schüler des Tausgymnasiums bei der Aufführung
des Frisch-Stücks im Bandhaus-Theater. Foto: J. Fiedler

Theater-AG des Backnanger Gymnasiums in der Taus spielte Max Frischs „Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie“

BACKNANG (pm). Durchaus eine Herausforderung stellt Max Frischs Stück „Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie“ dar. Die Komödie des Schweizer Schriftstellers, der von 1911 bis 1991 lebte, handelt von einem egomanischen Intellektuellen, für den die Liebe und mathematische Gleichungen ein und dasselbe sind. Er erringt sich gerade wegen seiner Gefühlskälte den Ruf eines Ehezerstörers und Frauenhelden, wird zu Lebzeiten eine Legende, endet aber zuletzt als eine Art Pantoffelheld im Schloss seiner treuesten Dauergeliebten Miranda.

Die Theater-AG des Backnanger Gymnasiums in der Taus hat diese Herausforderung angenommen und ist nun für diesen Wagemut bei zwei Aufführungen im Bandhaus-Theater in Backnang mit nicht enden wollendem Applaus belohnt worden. Die Spielleiterinnen um Annette Mennenkamp haben es geschafft, aus der Schülergruppe ein Ensemble zu bilden, das sich hoch konzentriert einlässt auf diesen Stoff und auf der Bühne zum Leben erweckt – manchmal garniert mit Lachsalven im Publikum ob der Dreistigkeit des Verführers, manchmal in kollektivem Erschrecken über dessen spektakuläre Höllenfahrt.

Nicht überzogen dramatisiert, sondern in solidem, überzeugendem Tempo fanden die Spieler hinein in ihre Rollen und machten aus Frischs Stück einen unterhaltsamen Theaterabend. Geheimnisvoll verhüllende Vorhänge und weiße Pappschachtellandschaften bildeten das Bühnenbild, Tobias Klotz übernahm souverän die Technik des Bandhaus-Theaters, das der Inszenierung einen guten Rahmen bot. Und dort agierten die Schüler bis in die kleinsten Rollen überzeugend.

Das begann bei Clara Köngeter, Hanna Rosenbauer, Jenny Dürr und Lisa-Marie Grimmer als schamlos betrogene Witwen, ging über die Vettern Paul Wurche und Hr. Ulmer, Maximilian Setzer als Leporello und Fabian Nagel als Don Balthazar Lopez bis zu den beiden schön frömmelnden Geistlichen Pater Diego (Hannes Gärtig) und den Bischof (Sören Ohmstedt) und ihrem gesellschaftlichen Kontrapunkt, der Bordellchefin Celestina (Ann-Kathrin Wurche).

Die bessere Gesellschaft bildeten Paulina Herrmann als Donna Inez, Sophia Küchen als Donna Elvira und Jan Schneider als Tenorio, Don Juans leidendem Vater. Tom Layer war ein inbrünstig ergrimmter Brautvater Don Gonzalo, Sabrina Ebel eine bittersüße Braut Donna Anna. Niklas Douglas Schwartz gab den stolzen, aufrechten Freund Don Rodrigo.

Die beiden Darsteller der Hauptrollen zeigten besonderes Talent: Ekaterina Timofeeva als Miranda und Sebastian Aldinger als Don Juan, der zudem beeindruckende Textmengen bewältigte. Der Schlussapplaus an beiden Abenden war also durchaus berechtigt.



BKZ-Artikel vom 17.07.2013