Kolumbien aus erster Hand

In Baden-Württemberg wird in der gymnasialen Oberstufe gemäß Bildungsplan für das Fach Spanisch ein ausgewähltes Land Lateinamerikas mit besonderer Vertiefung behandelt. Mit der Entscheidung hatten der Spanisch-Kurs der Jahrgangstufe 2 am Gymnasium in der Taus und seine Lehrerin, Frau Dr. Martínez Azorín, die Qual der Wahl. Obwohl die meisten Länder des Kontinentes eine gemeinsame Sprache vereinigt, weist jedes dieser Länder in vielerlei Hinsicht einzigartige und faszinierende Merkmale auf, was die Vielfalt und enorme Anziehungskraft Lateinamerikas ausmacht. Hochaktuelle Themen, wie der Friedensprozess mit der Guerrilla oder die Verleihung des Friedensnobelpreises 2016 an den Landespräsidenten Juan Manuel Santos sorgten dafür, dass die Entscheidung schließlich auf Kolumbien fiel. Auch der Kindertag am 21.11.2016 und die Mitwirkung des Gymnasiums in der Taus im Rahmen des europäischen Erasmus + Projekts spielten eine Rolle bei der Entscheidung.

Nach einer Einführungsphase über allgemeine Themen wie Geschichte, Erdkunde und Wirtschaft des Landes, begaben sich die sechzehn Schülerinnen und Schüler auf die Suche nach den komplexen Gründen und der aktuellen Lage des Themas Callejerismo en Colombia (Obdachlosigkeit in Kolumbien), was sowohl Erwachsene als auch vor allem Kinder betrifft. Die Ergebnisse der Recherchearbeiten zeigten sich in Form von Präsentationen und Plakaten zu den Themen Straßenkinder, Guerrilla und Drogenkartelle. Auch die zahlreichen Sozialprojekte, die die kolumbianische Bevölkerung unterstützen, kamen nicht zu kurz.

Um so mehr konnten sich die Schüler freuen, als sie für die Unterrichtseinheit die Teilnahme einer Zeugin aus erster Hand gewinnen konnten. Die in Bogotá geborene María Maas, Dozentin an der VHS Waiblingen, hat im Januar zu diesen Themen in spanischer Sprache referiert. In einem 90-minütigen Vortrag ergänzte sie die Kenntnisse der Schüler mit neuen und aktuellen Informationen zu Geschichte, Alltag und Gegenwart des Landes. Insbesondere ihre Ausführungen zum Thema Friedensprozess haben eindrucksvoll erläutert, wieso ein Volk nach mehr als 50 Jahren Guerrilla bei einer Volksabstimmung „Nein“ zur Perspektive des Friedens sagen kann. Einzelheiten in Bezug auf den hohen Preis für diesen Friedensprozess haben allen geholfen, neue Einblicke in den Prozess zu bekommen.

Auch die kolumbianische Kultur unter den Namen des Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez oder des Künstlers Fernando Botero hat in der Präsentation ihren Platz gefunden. Vor allem aber bleibt das Bild der Kolumbianer als ein fröhliches, trotz allem optimistisches Volk. Shakiras Musik hat dementsprechend die Veranstaltung geschlossen.

Herzlichen Dank an Frau Maas für ihren informationsreichen Vortrag!!

María-José Martínez Azorín