Sozialpraktikum "Seitenwechsel"

Fachbereich Religion und Ethik

Aus der Schweiz stammt die Idee des so genannten “Seitenwechsels“. Große Unternehmen lassen ihre Manager eine Woche lang in sozialen Einrichtungen arbeiten, damit sie ihre sozialen Fähigkeiten (soft skills) trainieren und einen anderen
Blickwinkel auf ihr alltägliches Umfeld gewinnen.

Ein ‚Seitenwechsel‘ ist auch für die Schüler und Schülerinnen im Rahmen der achten Klasse des Faches Religion und Ethik vorgesehen.
Möglicher Zeitraum für das Praktikum im zweiten Schulhalbjahr:
Januar bis Pfingstferien (—> Faschingsferien 2018 bis Pfingstferien 2018, d.h. 10.02.2018 bis 03.06.2018). Insgesamt gilt es, 16 Stunden in einer sozialen Einrichtung (Pflegeheim, Blindendienst, Paulinenpflege, Kleiderkammer, Schülerhort, u. a.) zu verbringen und die Zeit dort zu gestalten.

Wer organisiert die Praktikumsplätze?
Die Lehrkräfte, die aber auch offen sind für Vorschläge durch Väter und Mütter, aber nur nach Rücksprache mit der Lehrkraft.
Der Religions- bzw. Ethikunterricht fällt in der Zeit von den Osterferien bis zu den Pfingstferien aus (24.03.2018 bis 03.06.2018).

Nach dem Praktikum verfassen die Jugendlichen einen Bericht über ihre Erfahrungen, der wie eine Klassenarbeit gewertet wird. Abgabe des Berichtes: Donnerstag, 21. Juni 2018.

Ziel des Projekts:
Wir als Schule möchten nicht nur abstraktes Wissen über soziale Probleme vermitteln, sondern auch Erfahrungen. Bei diesem Kurzprojekt können die Jugendlichen sich selbst und ihren Umgang mit den verschiedensten Menschen, beispielsweise alten, schwachen und hilfsbedürftigen Menschen kennen lernen.
Durch dieses Projekt ‘Seitenwechsel’ tauchen die Schüler und Schülerinnen in andere Lebenssituationen ein, lernen den Alltag anderer Menschen kennen, versuchen, deren Perspektive einzunehmen und erhalten auf diese Weise eine neue Sicht auf das Leben selbst.
Nach dem Motto: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen, möchten wir den jungen Menschen Kenntnisse vermitteln, zu denen sie in der Schule keinen, in den Familien vielleicht Zugang haben. Kenntnisse über diese Lebensbereiche
gehören für uns zur ganzheitlichen und nachhaltigen Bildung.

Wir wissen, dass dieses Projekt für die Jugendlichen eine Herausforderung darstellt.
Diese Situation ist von den Religions- und Ethiklehrer (innen) gewollt und wird durch Gespräche und den Praktikumsbericht aufgearbeitet.

 

Die Schüler und Schülerinnen selbst betrachten die Zeit des ‘Seitenwechsels’ meist als eine sehr wertvolle und bereichernde Zeit, wie einige Auszüge aus den Praktikumsberichten der Achtklässler aus dem Schuljahr 2014-2015 belegen:

“Bis die Pflegerin kam, war ich eine Zeit lang alleine mit ihm im Zimmer. Er war schon ziemlich am Ende und konnte nicht mehr reden. Er schaute mich lange an. Ich glaube, er hat sich gefreut, einmal einen jungen Menschen zu sehen, da er lächelte.
Es war eine komische Situation für mich, weil ich eben nichts machen konnte, außer das Zimmer etwas anzuschauen. […] Er schaute mich weiter an, und ich lächelte auch einmal zurück, ob alles in Ordnung sei. Er nickte und drehte sich wieder mit dem Kopf weg. Ich glaube, dass ich ihm gut getan habe und das wird mir noch länger in Erinnerung bleiben…”

“In diesen 16 Stunden Praktikum habe ich einiges gelernt, zum Beispiel, dass man die Würde von hilflosen Menschen respektieren muss und dass es wichtig ist, dass es Altenpfleger gibt, denn wenn man selbst alt und hilfsbedürftig ist, möchte man
auch gut versorgt werden.”

“Mich hat Frau W. sehr beschäftigt, weil sie den ganzen Tag in ihrem Bett liegen muss. Sie ist darin wie gefesselt, da sie sich nicht bewegen kann. Mir ist die Bibelstelle aus Matthäus 25,40 dazu eingefallen: ‚Dann wird der König antworten: Ich versichere euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.”