"Wo Geld fließt schlägt kein Herz"

Gelungene Aufführung des Märchenklassikers “Das kalte Herz” durch die Theater-AG des Tausgymnasiums

BACKNANG (pm). „Wo Geld fließt, schlägt kein Herz!” Diese Aussage Ezechiels – gespielt von Philipp Hohnerlein – wurde zu einer der Kernaussagen des Stücks, das die Theater-AG des Tausgymnasiums unter Leitung von Annette Mennenkamp und Katrin Peter aus dem Märchen „Das kalte Herz” von Wilhelm Hauff heraus-gearbeitet hat. Jeder kennt die Geschichte um Peter Munk, einen armen Köhlerburschen (ein-fühlsam und überzeugend von Falk Bökheler gespielt), der von allen verachtet wird und schließlich keinen anderen Weg mehr sieht, als sich bei den magischen Wesen des Schwarzwaldes Hilfe zu suchen. Als Sonntagskind hat er das Glück, auf den Schatzhauser, einen Waldgeist (Hannes Gärtig), zu treffen. Doch törichte Wünsche treiben ihn schließlich in die Arme des Holländer-Michels (Tobias Vicanek Martinéz), der herrlich böse auf der Bühne verlockende Angebote unterbreitet. Es kommt, wie es kommen muss: Peter nimmt das Angebot an, verliert sein Herz und seine Gefühle im Tausch gegen einen Stein. Als er seine Frau Lisbeth (Paulina Renz) erschlägt, erkennt er schließlich, dass Geld und Reichtum nicht glücklich machen. Er ruft noch einmal den Schatzhauser, der, typisch für Märchen, eine List parat hat, die zum Happy End führt. Dass es keine althergebrachte Aufführung dieses Märchenklassikers wurde, zeigte sich schon zu Beginn der Vorstel-lung, als sich Figuren, die später als Bäume erkennbar waren, im Schwarzlicht zu moderner Musik bewegten. Unheimlich flüsternd begannen sie die Geschichte um Peter Munk zu erzählen. Diese postmodernen Elemente, die stark an Brecht’sche oder Dürrenmatt’sche Theaterstücke erinnerten, waren der Grund-gedanke der Inszenierung. So waren nicht nur Musik und Tanz immer wieder gekonnt und den Szenen auf wunderbare Weise angepasst; auch die sprechenden Bäume (Jule Kugler, Nina Lutz, Emma Wingenfeld, Frederik Eichenberger und Yannick Blomdahl) sorgten immer wieder für spannenpe und lustige Momente. Ihre Kommentate und Erklärungen zu den gespielten Szenen amüsierten das Publikum nachhaltig, und es gibt kaum
jemanden, dem nicht der Seufzer „Ach, Honey” im Gedächtnis blieb. Auch führte dieses gelungene Zusammenspiel zwischen Inhalt und darstellerischem Ausdruck dazu, dass man sich immer wieder in die Kindheit zurückversetzt fühlte. Man fieberte wieder mit Peter Munk mit, erschrak, wenn der Schatzhauser seinem Unmut über die Wünsche mit einem Wutausbruch Luft machte, und lachte herzlich über Kasper (Gianni Armiento), der vergeblich versuchte, seine Herzensdame(n) Hanna und Emma (Nicole Kronmüller und Laura Müller) zu gewinnen. Dass dieses Stück aber nicht nur eine moderne Fassung eines Klassikers sein wollte, sondern auch eine Botschaft vermittelte, fasste Udo Weisshaar in seiner Schlussrede zusammen, als er auf das Mitgefühl als eines der wichtigsten zwischenmenschlichen Gefühle hinwies. „Wo Geld fließt, schlägt kein Herz – und gibt es auch kein Mitgefühl.”

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