Bogy-Besuch beim Briefkastenbauer

Schüler des Gymnasiums in der Taus auf Betriebserkundung – Programm in Zusammenarbeit mit dem Industrieverein

Schüler des Gymnasiums in der Taus erkundeten im Rahmen eines umfassenden Konzepts zur Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit dem Industrieverein Betriebe der Region.

BACKNANG (pm). Noch nie war die Ausbildungs- und Berufswahl so schwer wie heute. Nahezu unüberschaubar viele Fachrichtungen und Studienangebote gibt es für Absolventen der Gymnasien. Um ihre Schüler optimal zu fördern, sind die Schulen auf Kooperationen mit Partnern wie Hochschulen, Betrieben, Behörden, Selbstständigen und Beratungseinrichtungen angewiesen. Das Gymnasium in der Taus hat dazu in den letzten Jahren ein nachhaltiges und durchdachtes System der Berufsorientierung entwickelt, das sich über mehrere Schuljahre hinzieht und das gesamte Spektrum der Angebote abdeckt.

Am Anfang steht ein Elternabend in Klasse 10, bei dem das Konzept vorgestellt wird und erste konkrete Informationen durch ehemalige Schüler und Eltern über deren Berufe in Kleingruppen angeboten werden. Als weitere Vorbereitung der klassischen Bogy-Praktika, wobei Bogy für Berufsorientierung Gymnasium steht, die die Schüler in Betrieben ihrer Wahl kurz vor den Pfingstferien absolvieren, gibt es einen ganztägigen Besuch im Berufsinformationszentrum in Waiblingen und ein Bewerbungstraining unter der Regie von Auszubildenden der Kreissparkasse in der Schule. Flankierend dazu gibt es ganztägige Betriebserkundungen in kleinen bis mittleren Gruppen. In Klasse 10 sind wegen der anstehenden mittleren Reife eher Produktionsbetriebe das Ziel, in Klasse 11 liegt der Schwerpunkt auf High-Tech-Schmieden und sozialen Berufen, für die das Abitur unabdingbar ist. Abgerundet wird das Gesamtkonzept in den Klassen 11 und 12 durch Studientage in Hochschulen und Studieninformationsveranstaltungen mit Hochschullehrern an der Schule, Letztere in Zusammenarbeit mit dem Max-Born-Gymnasium und dem Bildungszentrum Weissacher Tal.

Im Rahmen der Betriebserkundungen in Klasse 10 war eine Schülergruppe bei der Firma Renz Metallbau in Kirchberg zu Gast. Briefkästen bauen und verkaufen ist auf den ersten Blick für Außenstehende eine einfache Angelegenheit. Doch schnell erkannten die Schüler, was für ein Riesenaufwand dahinter steckt, wenn die Hand in Hand und ohne kostenintensive Zwischenlager laufende Produktion ständig an den Bedarf angepasst werden muss und alle Briefkastenanlagen rechtzeitig bei den Kunden in ganz Europa unversehrt ankommen sollen. Dies beginnt bei der Vorfertigung von Serienteilen wie Türen oder Gehäusen, die dann auftragsbezogen zusammengefasst und auf Fahrtischen für die Pulverbeschichtung in der Lackierung chargenweise nach gewünschter Farbe bereitgestellt werden. Die lackierten Teile werden vormontiert, Kleinteile für die Endmontage kommen dazu. Am Ende stehen die Prüfung jeder einzelnen Anlage, die transportsichere Verpackung und schließlich der Vertrieb, der eine Wissenschaft für sich darstellt. Damit das Ganze reibungsfrei laufen kann, sind tägliche Besprechungen aller Produktionsleiter am sogenannten Management-Board in der Produktionshalle erforderlich, bei denen jede Schwachstelle und jede Verbesserungsmöglichkeit erkannt und umgehend reagiert werden kann. Am Ende des Besuchs erhielten die Schüler eine Stunde Zeit, ihre Erfahrungen zusammenzustellen, und präsentierten diese dann ihren Ansprechpartnern der Firma Renz.

Neben dem Besuch bei Renz Metallbau waren andere Gruppen von Zehntklässlern auf Tour bei der Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH in Allmersbach im Tal sowie bei der SMA Metalltechnik GmbH, bei der Kerres GmbH und bei der d&b audiotechnik GmbH in Backnang. Die Betriebserkundungen sind nur möglich durch die enge Zusammenarbeit des Gymnasiums mit dem Industrieverein für den Raum Backnang, dessen Geschäftsführer Gerhard Haug stets aktiv dabei ist und die Schülergruppen mitunter auch begleitet.

Vorbereitung für die Pulverbeschichtung von Briefkastenanlagen: Fertigungsleiter Andreas Ginder von Renz Metallbau mit Zehntklässlern. Foto: privat