Lyrischer Zauber, musikalische Abgründe

Viktor Soos erhielt einen WDR-3-Klassikpreis der Stadt Münster und Preise in zwei Kategorien bei Wespe 2014

Viktor Soos, der schon viele Preise bei Jugend musiziert erhalten hat – auch auf höchster Ebene – schreitet unaufhaltsam weiter in Richtung Profikarriere. Erst im Juni bekam der Schüler aus Backnang in Braunschweig bei „Jugend musiziert“ in der Sparte Klavier solo einen ersten Bundespreis. Doch es geht noch hochkarätiger…

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Die Stadt Münster stiftet seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam mit dem Westdeutschen Rundfunk den WDR-3-Klassikpreis. Teilnehmen können junge Musiker, die schon mit einem ersten Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert ausgezeichnet wurden. Zu spielen ist ein mehrsätziges Werk der Wiener Klassik. 2014 war der Wettbewerb in den Fächern Klavier, Gesang und Bläserensemble ausgeschrieben. Beim Abschlusskonzert in der Musikhochschule in Münster am 14. September spielten die Preisträger Werke von Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert. Mit dabei: Viktor Soos aus Backnang. Er hat sich von Ludwig van Beethoven die Sonate für Klavier solo Es-Dur op. 7 ausgesucht. Zu hören ist das komplette Konzert auf WDR3 am Mittwoch, 19. November, von 20.05 bis 22 Uhr.

Neben Viktor Soos erhielten den Klassikpreis 2014 die Pianisten Ellen Lee aus Hannover, Nima Mirkhoshhal aus Wriedel, der Sänger Constantin Emanuel Habel aus Zürich sowie ein Holzbläsertrio mit Max Vogler (Oboe), Lewin Kneisel (Klarinette) und Antonio Azzolini (Fagott) aus Rostock und Berlin. 22 Nachwuchsmusiker hatten sich um die begehrte und hoch dotierte Auszeichnung beworben. Bundesweit genießt der WDR-3-Klassikpreis der Stadt Münster einen hohen Stellenwert. Er gilt als oberste Stufe im Anschluss an den Bundeswettbewerb Jugend musiziert.

„Es ist ein wahnsinniges Werk, mit so vielen Facetten“, schwärmt Viktor Soos über die Beethoven-Sonate. Und es war „das längste von allen“, die beim WDR-3-Klassikpreis gespielt wurden. Eine halbe Stunde bei einem solchen Stück den Spannungsbogen zu halten, das ist eine Herausforderung. Bei Jugend musiziert werden dagegen nur einzelne Sätze aus den ausgewählten Kompositionen gespielt. „Die Werke der Wiener Klassik gelten als anspruchsvoll: Es ist ein Wagnis, sich als junger Musiker mit dieser Musik zu präsentieren, weil man zum Vergleich mit unzähligen und berühmten Interpretationen herausfordert. Faszinierend war für uns deshalb umso mehr, mit welcher Frische die jungen Künstler diese Aufgabe bewältigt haben. Die Jury hat sich entschieden, den Preis auf sieben junge Künstler aufzuteilen, um das Konzertpublikum an diesem Eindruck teilhaben zu lassen“, zitiert die Neue Musikzeitung die Jury. Über Viktor Soos ist zu lesen: „Gerade hier zeigte der junge Viktor Soos aus Backnang sehr eindrucksvoll, nach welchen besonderen Qualitäten der ,Klassikpreis‘ sucht. Diese Sonate gehört nicht zu den meistgespielten, ist vielleicht weniger spektakulär als die Hammerklavier-Sonate oder die Appassionata. Sie will erschlossen werden mit ihrem Reichtum an lyrischem Zauber und musikalischen Abgründen, aber auch ihren aberwitzigen technischen Herausforderungen, und das über eine Länge von gut einer halben Stunde mit vier Sätzen. Dies alles erschien bei Viktor Soos in guten Händen.“ Als einer der WDR-3-Klassikpreisträger befindet sich Soos übrigens in bester Gesellschaft. International gefragte Pianisten wie Herbert Schuch und Igor Levit haben diese Auszeichnung schon bekommen.

Viktor Soos hat wahrlich eine anstrengende Zeit hinter sich. In letzter Zeit „war alles auf einmal“. Rund zwei Wochen später stand Wespe 2014 an: Das Wochenende der Sonderpreise in Neubrandenburg. Aus zwölf Bundesländern und der Deutschen Schule Barcelona waren sie angereist: 120 engagierte, kreative Nachwuchsmusiker. Sie bewarben sich mit selten gespielten, wiederentdeckten oder selbst komponierten Werken um einen Geldpreis von zehn Stiftern. Im Rahmen des Abschlusskonzerts am 28. September wurden 41 Interpreten mit Preisen ausgezeichnet, darunter auch – Viktor Soos aus Backnang.

Wer beim Wespe mitmachen will, muss einen ersten, zweiten oder dritten Bundespreis bei Jugend musiziert vorweisen können, weiß Soos. Für ihn kein Problem. Und er gewann gleich in zwei Kategorien: Als Trio zusammen mit Elisa Schrape aus Lahr (Violine) und Rebecca Falk aus Freiburg (Violoncello) mit einem „Werk einer Komponistin“. Schrape und Falk, die Soos von Meisterkursen her kennt, waren im Internet auf Amy Marcy Cheney Beach (1867 bis 1944) gestoßen. Und nun übten sie deren Trio op. 150 bei einigen wenigen Treffen ein. Allerdings gestaltete sich die Probenarbeit sehr intensiv. Von morgens um 7 bis Mitternacht wurde da schon geprobt. Viktor Soos freut sich, dass seine beiden Kolleginnen Beach „entdeckt“ haben, „ich hätte das Stück sonst nie kennengelernt“.

In der Kategorie „Werk der verfemten Musik“ hatte sich Soos die Sonate Nr. 3 von Hanns Eisler (1898 bis 1962) ausgesucht, die er auch beim Abschlusskonzert in der Konzertkirche spielte. Obwohl er sie als „wirklich depressive Musik“ bezeichnet, hat ihn die Komposition fasziniert. „Ich selbst habe mich durch dieses Werk auf jeden Fall sehr bereichert.“

Das Fazit des Ganzen: Viktor Soos, für den im März 2015 auch noch am Tausgymnasium das Abitur ansteht, befindet sich bereits in einer Welt, in der er zu Festivals oder Meisterkursen eingeladen und für Wettbewerbe vorgeschlagen wird. Klar, dass er gerne einmal in der obersten Liga mitspielen will. Auf dem besten Weg dazu ist er auf alle Fälle.

Und die Backnanger können sich schon mal den 26. April 2015 vormerken: Da spielt er im Backnanger Bürgerhaus ein großes Benefizkonzert zugunsten der Bürgerstiftung Backnang.

BKZ-Artikel vom 31.10.2014