Unglaubliche Kräfte bei Vollbremsung

Schickhardt-Realschule und Gymnasium in der Taus bilden Schulbusbegleiter aus

BACKNANG (de). Verzerrte Gesichter, verkrampfte Hände und Arme, dann ein heftiger Ruck und schließlich Aufatmen. So heftig hätten sich die 25 Teilnehmer des Busbegleiter-Seminars der Schickhardt-Realaschule und des Gymnasiums in der Taus die Gefahrenbremsung eines Schulbusses trotz aller vorausgegangener Warnungen nicht vorgestellt. Die aus Sicherheitsgründen auf dem abgesperrten Betriebshof der OVR demonstrierte Bremsung war einer der Höhepunkte des zum siebten Mal stattfindenden Seminars. Veranstalter sind neben den beteiligten Schulen die Polizeidirektion Aalen und das Omnibusunternehmen OVR. Schüler der siebten und achten Klassen werden ausgebildet, um das tägliche Schulbusfahren noch sicherer zu machen.

Es ist immer das Gleiche: Große Probleme fangen ganz klein an. Eine hinten im Bus im Weg stehende oder auf einem freien Sitz abgelegte Schultasche sorgt für erste Unstimmigkeiten, die Wortwahl wird heftiger, und schnell eskaliert die Situation bis zur körperlichen Auseinandersetzung. Derlei Situationen sind das Einsatzgebiet der Busbegleiter, denen es darum geht, gefährliche Situationen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

In den Seminaren, die immer freitagnachmittags und samstags stattfinden, werden die Busbegleiter auf ihre Aufgaben vorbereitet. Polizeikommissar Gerhard Paulik frischt zunächst noch einmal die Inhalte der Busschule vom fünften Schuljahr auf. Verhalten an der Haltestelle, Einsteigen, Besetzen der Plätze von hinten nach vorne, Ordnung im Bus und eben die großen Gefahren bei einer unerwarteten Bremsung werden diskutiert und einsichtig gemacht. Den zweiten Part übernimmt Polizeihauptkommissar Klaus Ebner. Er leuchtet mit den Schülern das Thema Gewalt aus. Welche Arten der Gewalt gibt es Gewalt gegen Sachen, Gewalt gegen Personen, verbale, psychische und körperliche Gewalt. Viele Inhalte werden spontan aufgegriffen und mit eigenen Erfahrungen untermalt.

Welche Probleme können die Busbegleiter selbst angehen, wann brauchen sie Hilfe Unterstützung erfahren die Jugendlichen, die immer in Zweiergruppen auftreten sollen, sowohl vom Busunternehmen als auch von den Schulen. Auf ihrem Busbegleiterausweis ist die Telefonnummer der OVR abgedruckt, an die sie sich jederzeit wenden können. Denn wenn etwa ganz hinten im voll besetzten Gelenkbus Probleme auftreten, ist der Busfahrer zur Unterstützung für die Busbegleiter nicht erreichbar. Wohl aber von seiner Zentrale, mit der er über Funk in Verbindung steht. Im Tausgymnasium und in der Schickhardt-Realschule stehen die Lehrer Günter Denninger und Andreas Schöbinger bereit, wenn Begleiter Probleme nicht selbst lösen können.

Gut gerüstet in der Theorie folgt die Praxis: Rollenspiele zuerst im Klassenzimmer, dann im Bus. Überzeugend spielen die neuen Busbegleiter alle Unarten durch und machen es ihren Gegenspielern, die die Busbegleiter mimen, richtig schwer. Schnell wird es selbstverständlich, ruhig und bestimmt aufzutreten und sich auf keine Diskussionen einzulassen.

Trotz des ernsten Hintergrundes macht die Ausbildung allen Beteiligten viel Spaß. Bei der abschließenden Fragerunde wird deutlich, dass sich die Busbegleiter gut auf ihre Aufgabe vorbereitet fühlen. Stolz nehmen sie ihre Ausweise in Empfang. Nach etwa sechs Wochen gibt es ein erstes Nachtreffen mit Erfahrungsberichten. Beigetragen zur tollen Stimmung im ausrichtenden Gymnasium in der Taus hat auch der Förderverein des Gymnasiums mit seiner Verpflegung.