Wegweiser durch den Hochschul-Dschungel

Die Backnanger Gymnasien luden zu einem Informationstreffen – Hochschulen stellten sich ihren künftigen Studenten vor

Wenn es auf das Abitur und die Wahl eines Studiums zugeht, sind viele Schüler etwas orientierungslos. Informationen erhielten sie beim Hochschulabend der beiden Backnanger Gymnasien und des Bize. Drei Professoren gaben im Max-Born-Gymnasium Einblicke in verschiedene Hochschulsysteme.

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Ist die Universität oder die Fachhochschule das Richtige für den individuellen Studienwunsch? Und was ist eigentlich das Duale Hochschulsystem? Beim Hochschulabend, der vom Industrieverein für den Raum Backnang unterstützt wird, informierten die Referenten über Studiengänge der verschiedenen Hochschulen, über Anforderungen an die Studierenden und über spätere Berufsfelder und -chancen. Gastgeber war das Max-Born-Gymnasium. Schulleiter Günter Ost eröffnete die Veranstaltung.

Vom Physikalischen Institut der Universität Stuttgart war Professor Dr. Gert Denninger eingeladen. Grundlagenforschung sei ein wichtiger Aspekt auf seinem Gebiet, führte er aus.

Der Schwerpunkt der Uni Stuttgart liege in den technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen, aber auch geistes- oder sozialwissenschaftliche Fachrichtungen sind vertreten. Rund 25000 Studierende gibt es an der Uni Stuttgart. Ziel sei eine breite und tiefe Ausbildung, die sehr forschungsorientiert ist.

Die Berufsqualifizierung steht hier also nicht im Vordergrund, so der Professor. Den Beruf des Physikers etwa gibt es nicht, sondern viele unterschiedliche Betätigungsfelder. Naturwissenschaftliches Interesse und Freude am Experimentieren sollte der Studierende mitbringen. „Das Studium sollte man machen, weil man es will“, unterstrich der Experimentalphysiker.

Auf die Geisteswissenschaften ging Susanne Schiller von der Zentralen Studienberatung der Universität Stuttgart ein. Bei Studiengängen, wie etwa Anglistik, gehöre nicht das Erlernen der Sprache zum Studium, das würde vorausgesetzt. Im Vordergrund stehe der Erwerb von wissenschaftlichen Methoden. Das Sprachenstudium erfordere ein großes Maß an Eigeninitiative, und ein festes Berufsbild gäbe es nicht.

Über das Duale Hochschulsystem informierte Professor Dr.-Ing. Joachim Elzmann von der Technischen Fakultät der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart. Zentrales Merkmal ist der vierteljährliche Wechsel zwischen Theoriephasen an der Hochschule und den berufspraktischen Phasen beim auszubildenden Dualen Partner. Im Gegensatz zur Universität ist das Studium berufsorientierter, und es bestehen feste Stundenpläne. Vorteil sei, dass von Anfang an Geld verdient werde, und es eine Übernahmequote von rund 80 Prozent in den Betrieben gäbe, so der Professor für Informatik.

Bei diesen Bachelor- und Masterstudiengängen bewirbt man sich nicht bei der Hochschule, sondern bei den Partnerbetrieben und erhält dort einen Ausbildungsvertrag. Dadurch wird eine Vorauswahl schon von den Unternehmen und sozialen Einrichtungen getroffen, erläuterte Elzmann in seinem Vortrag. Der Schwerpunkt bei diesem praxisorientierten Studium liegt auf der Wirtschaft, aber es gibt auch die Fakultäten Technik und Sozialwesen.

Für die Hochschule für angewandte Wissenschaften Esslingen referierte Prof. Dr.-Ing. Thomas Stocker (Mechatronik, Elektrotechnik). Im Gegensatz zur Uni sei das Studium an der Fachhochschule anwendungsorientierter. Alle Fächer sind zulassungsbeschränkt, was abhängig von der Anzahl der Bewerbungen ist. In kleineren Gruppen findet das Studium statt. Stocker wies darauf hin, dass immer noch nur wenige weibliche Studierende die technischen Fächer belegen. Haben diese sich jedoch für ein technisches Studium entschieden, seien sie meist besser, als ihre männlichen Kommilitonen, so der Hochschulprofessor.

Für die zukünftigen Studierenden ist es schwer, sich im Dschungel der Möglichkeiten zurechtzufinden. Der Hochschulabend der Backnanger Gymnasien und des Bildungszentrums Weissacher Tal soll einen Beitrag dazu leisten.

BKZ-Artikel vom 21.11.2013