Wer sich nicht festhält, purzelt durch den Bus

Am Gymnasium in der Taus steht die Busfahrt zur Schule in Theorie und Praxis auf dem Stundenplan


BACKNANG (pm). Julia, du stehst auf dem Gehweg, und der Bus hat alle Räder auf der Straße. Trotzdem würdest du bei der Einfahrt in die Haltestelle von dem 12 Tonnen schweren Bus erfasst und weggeschleudert werden. So eindringlich demonstriert Roland Schenkel den Überschwenkbereich eines Linienbusses mit seiner weit zurückgesetzten Vorderachse beim Einfahren in eine Haltebucht. Sein Publikum: die Schüler der Klassen 5 des Gymnasiums in der Taus.
Die Demonstration ist Teil der praktischen Ausbildung im Rahmen der sogenannten Busschule, die für alle Anfänger am Tausgymnasium einmal im Jahr im Stundenplan fest verankert ist. Schulleiter Dr. Reinhard Ortwein nimmt die Sache sehr ernst und hat einen seiner Mitarbeiter aus dem Schulleitungsteam mit der Organisation betraut. Die hat es in sich, müssen doch neben allen schulischen Gegebenheiten auch die Möglichkeiten der Kooperationspartner des seit 2008 laufenden Projekts berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich zum einen um Roland Schenkel, den OVR-Betriebsleiter in Backnang. Zum anderen sind es Jürgen Oesterle und Gerhard Paulik, erfahrene Beamte vom Verkehrserziehungsdienst der Polizei.

Das Programm umfasst alle denkbaren Fragen rund ums Busfahren. Lange bevor der Bus überhaupt in Sicht ist, gelten an der Haltestelle schon Verhaltensregeln. Drängeln, Herumrennen, Schubsen oder gar sich gegenseitig auf die Straße jagen darf nicht sein, ihr befindet euch unmittelbar am Verkehrsraum mit vorbeifahrenden Autos, erklären die Polizisten den Kindern schon im Klassenzimmer. Dabei haben sie viele lustige und auch schlimme Begebenheiten aus ihrer langen Dienstzeit parat. Nicht nur das Verhalten an der Haltestelle, auch das richtige Einsteigen in den Bus muss einsichtig gemacht und geübt werden. Versuche haben gezeigt, dass bei geordnetem Betreten des Busses mit Auffüllen der Plätze von hinten nach vorne deutlich weniger Zeit erforderlich ist, als wildes Drängeln und der tägliche Kampf um die vermeintlich besten Plätze beanspruchen. Auch die Unfallgefahr ist so minimiert.

Nachdenklich wurden die Schüler, als Schenkel erklärte, wie er nicht vergessen kann, dass im Bereich seiner Busse einmal eine Schülerin im Gerangel unter den einfahrenden Bus gedrückt wurde.

Einmal im Bus, geht es weiter mit dem richtigen Verhalten. Bei der Fahrt besteht immer die Gefahr, dass der Fahrer zu einer Notbremsung gezwungen wird. Wer dann nicht richtig sitzt oder sich auf einem Stehplatz nicht an Haltestange, Haltegriff oder Halteschlaufe festhält, lebt gefährlich. Knien auf dem Sitz zur Unterhaltung mit dem Hintermann führt dann unweigerlich dazu, dass der Betreffende mit dem Rücken oder gar dem Kopf auf den Sitz vor sich kracht. Mitfahrer auf den Stehplätzen, die sich nicht festhalten, haben keine Chance mehr. Sie purzeln dann nur noch durch den Bus.

Auch die Technik des Busses spielt eine wichtige Rolle. Wie groß und wie schwer ist der Bus Welche technischen Untersuchungen gibt es Schenkel demonstriert, wie mithilfe eingebauter Lichtschranken niemand von der Tür eingeklemmt werden kann, und erklärt, dass der Bus mit nicht vollständig geschlossenen Türen gar nicht losfahren kann. Genauso kommen Verbandsmaterial, Feuerlöscher, Notausstiege und die eingebauten Überwachungskameras als Elemente der Sicherheitsphilosophie zur Sprache. Dazu gehört auch, dass der Bus nur an den Haltestellen Passagiere aufnehmen oder aussteigen lassen darf. Den hohen Stand der Sicherheitstechnik und Sicherheitsorganisation beim Schulbusverkehr zeigt die einfache Tatsache, dass das Unfallrisiko beim Individualverkehr deutlich höher als im Schulbus ist.

Die Schüler waren mit Feuereifer bei der Sache und beteiligten sich rege an den Diskussionen. Die von Günter Denninger betreute Busschule ist ein Baustein im Sicherheitskonzept des Gymnasiums.

Ab der Klasse 7 haben Schüler, die den Bus täglich benutzen, die Möglichkeit, sich zu Busbegleitern ausbilden zu lassen. Diese werden in Seminaren geschult, um auf die Ordnung in den Bussen zu achten und aufkommende Konflikte zu lösen, bevor eine verhängnisvolle Eskalation einsetzt. Die Busbegleiter haben direkte Kontaktmöglichkeiten zum Unternehmen sowie zur Schulleitung, wo sie Unterstützung erfahren. Auch die Busfahrer sind angewiesen, Schulbusbegleiter zu unterstützen.
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