Theater-AG des Tausgymnasiums führte im Traumzeit-Theater „Jedermann. Das Spiel vom Sterben eines reichen Mannes“ auf

Keinen leichten Stoff hat sich die Theater-AG des Gymnasiums in der Taus für ihre diesjährige Aufführung im Traumzeit-Theater ausgesucht. „Jedermann. Das Spiel vom Sterben eines reichen Mannes“ wurde in alter Sprache und moderner Inszenierung präsentiert. Bereits zum dritten Mal fand eine Kooperation des Theaters und der Schule statt.

BACKNANG. „In Sünd’ ersoffen, das ist’s, was sie sind“, spricht Gott in Hugo von Hofmannsthals Drama, das 1911 uraufgeführt wurde und seit 1920 bei den Salzburger Festspielen Jahr für Jahr gespielt wird. Um Geld und Habgier der Menschen geht es in dem Stück.

Gott hat es satt, und so lautet sein Beschluss: „Und Jedermann richten nach seinem Teil.“

Bei der Inszenierung der Theater-AG wird die Rolle des Jedermann von zwei Darstellern gespielt, die verschiedene Charakterseiten der Hauptfigur zum Ausdruck bringen. Gefühlskalt und herablassend ist Jedermann, hervorragend dargestellt von Celina Schmid. Arrogant, aber im Verlauf des Stücks auch einlenkend und zweifelnd verkörpert Dennis Weber die Rolle. Beide zeigen beeindruckende schauspielerische Leistungen.

Meist an der Seite Jedermanns ist der gute Gesell (Luisa Dieterle), wie in der ersten Szene, in der sich Jedermann beim Golfspielen mit dem Gesell über den Kauf eines Grundstücks unterhält, auf dem er einen Lustgarten für seine Buhlschaft (Lisa Krauter) anlegen will. Mit Sekt lässt er sich dabei vom Koch bedienen, den Artur Ulmer, Lehrer am Tausgymnasium, spielt.

Ein großzügiges Herz hat der reiche Jedermann nicht, etwa wenn ihn der arme Nachbar (Manuel Harms) um Geld bittet und nur einen Schilling erhält. Den Schuldknecht wirft er erbarmungslos in den Kerker, allein die gute Seite des Jedermann hat ein Einsehen und sorgt finanziell für Frau und Kinder.

Bei der Inszenierung unter Leitung und Regie von Annette Mennenkamp und Kai Lützelberger werden Szenen in unsere Zeit versetzt. Geld und Macht regiert, wenn Jedermann als Juror bei einer Casting-Show auftritt. „Hab selten solch Gesang gehört, der mir gleich Mark und Bein zerstört“, heißt sein vernichtendes Urteil über die Sängerin. Im Publikum sorgen die gewollt schrägen Töne für Amüsement. Besser kommt die Band „Träum weiter“ mit Gesang, Gitarren und Perkussion beim Casting weg, und auch vom Publikum im Traumzeit-Theater gibt es für die musikalische Einlage der Schüler reichlich Applaus. Für Jedermanns Mutter (Mareike Glock), die in der Szene auftaucht, hat der geschäftige Medienmogul natürlich wenig Zeit.

Eine Schlüsselszene ist die rauschende Geburtstagsparty anlässlich Jedermanns 40. Geburtstag, bei der die ganze Truppe der 14- bis 18-jährigen Darsteller auf der Bühne steht. Auch hier geht es anders zu als in Hugo von Hofmannsthals Drama. Joints machen die Runde, Kokain und jede Menge Alkohol werden konsumiert. Der sinnlichen Verführung eines Fräuleins (Aline Ackermann) kann Jedermann kaum widerstehen.

Für Lacher sorgen Jedermanns dünner und dicker Vetter (Kevin Schöbel und Paul Matena). Bis der Bote Gottes in Gestalt des Todes mit eiskalter Miene auftaucht, hervorragend dargestellt von Miriam Bornhak.

Die professionelle Technik-Ausstattung im Traumzeit-Theater macht Effekte möglich. Donnergrollen ist zu hören, wenn der Teufel (herrlich dämonisch: Max Eppler) auf der Bühne steht. Nebelschwaden erzeugen eine gespenstische Atmosphäre. Jedermann kann der Teufel nicht in sein Reich der Dunkelheit führen. Der Glaube (Leandra Burkhard) steht ihm am Ende zur Seite. Von seinem Thron gestürzt wird der erhabene Mammon (Kirsten Meller), und Jedermanns Werke, verkörpert von Kati Timofeeva, zunächst schwach und gebrechlich im Rollstuhl, geleiten erstarkt den reuigen Jedermann in den Tod.

Eine ergreifende Aufführung, für die die 8- bis 12-Klässler ein Jahr lang geübt haben. In der Woche vor den beiden Aufführungen fanden die Proben ganztägig im Traumzeit-Theater statt. Herausgekommen ist ein anspruchsvolles Stück mit schauspielerischen Leistungen der Schüler auf hohem Niveau. Den tosenden Applaus bei der Premiere im ausverkauften Traumzeit-Theater haben sich die jungen Mimen verdient.