Von der Idee zum einsatzfähigen Bauteil

Projekt abgeschlossen (von links): Paul Matena, Jakob Rosenbauer, Helmut Grüb von Lorch Schweißtechnik, Axel Bauer, Kai Ohmstedt und Gerd Nickel von Lorch Schweißtechnik. Foto: privat

Taus-Gymnasiasten schließen Entwicklungsauftrag für Lorch Schweißtechnik ab – Neuer Erfolg mit Theoprax-Projekt Nachhaltige und praxisnahe naturwissenschaftlich-technische Ausbildung hat am Gymnasium in der Taus Tradition: Seit zehn Jahren erhalten Schüler kleine Entwicklungsaufträge von Firmen der Region. Auftraggeber war wie in den vergangenen sechs Jahren die Lorch Schweißtechnik GmbH in Auenwald.

BACKNANG (de). Realitätsnaher kann Unterricht nicht sein. Axel Bauer, Paul Matena, Kai Ohmstedt und Jakob Rosenbauer, alle in der Jahrgangsstufe 1 des Tausgymnasiums, hatten im vergangenen Schuljahr in enger Zusammenarbeit mit ihrem Auftraggeber Lorch Schweißtechnik ein kniffliges Problem zu lösen. Es ging um die Energieversorgung eines höhenverstellbaren Montagewagens, der vor Jahren von einer anderen Gruppe der Schule entwickelt und als Prototyp gebaut worden war und sich immer noch im täglichen Einsatz befindet. Der Elektroantrieb funktioniert immer noch zufriedenstellend, die Ladezeiten der zur Energieversorgung verwendeten Akkus hatten sich aber als zu lang erwiesen. Vor Beginn der eigentlichen Entwicklung mussten für beide Seiten, Schülergruppe und Auftraggeber, klare Verhältnisse geschaffen werden. Dies geschah durch die Erstellung eines Angebots mit detailliertem Struktur-, Zeit- und Kostenplan. Nach der Annahme ihres Angebots, bei dessen Nichterfüllung die Schüler ihre Aufwendungen umsonst getätigt hätten, konnte die Arbeit beginnen. Am Anfang stand die Beobachtung des Einsatzes von Montagewagen in der laufenden Schweißgeräteproduktion, wobei besonders die Häufigkeit des Hebens und Senkens der Wagen und deren Standzeiten bis zum nächsten Einsatz zu registrieren waren. Auf diese erste Recherchephase folgten praktische Untersuchungen in der Schule. Gemessen wurde dabei der Energiebedarf für das Heben und Senken der Arbeitsplattform unter realitätsnaher Last, deren Simulation durch Chemiebücher erfolgte. Die Zusammenführung der Beobachtungen in der Produktion und der in der Schule ermittelten Daten lieferten den Energiebedarf während eines Produktionszyklus. Mit diesem Ergebnis konnten in einer zweiten Recherchephase Kosten, Gewicht und Größe der erforderlichen Kondensatoren für einen Zyklus ermittelt werden. Kondensatoren haben gegenüber den seither verwendeten Akkumulatoren den Vorteil wesentlich kürzerer Ladezeiten, das heißt, der Wagen ist schnell wieder einsatzbereit. Nach einer Zwischenbesprechung mit Vertretern von Lorch Schweißtechnik und deren Zustimmung wurden die Kondensatoren beschafft und zu einem Energiepaket gebündelt, das dann im vorhandenen Wagen auf Herz und Nieren geprüft wurde. Als Dreingabe galt es gleich noch eine Aufladesteuerung zu bauen, die den mit hoher Stromstärke ablaufenden Ladevorgang rechtzeitig unterbricht. Parallel zur Entwicklungsarbeit hatte eine gründliche Dokumentation zu erfolgen, die dem Auftraggeber bei einer einstündigen Präsentation am Ende des Schuljahres zu überreichen war. Dabei gab es von der Geschäftsleitung ein dickes Lob für die Schüler. Sie hatten im Verlauf des Jahres wertvolle Erfahrungen gemacht, konnten sie doch ein Produkt von der Idee bis zum einsatzfähigen Bauteil verfolgen und die Abläufe im Betrieb kennenkernen. Der Auftraggeber hält als Ergebnis der Arbeit der Gymnasiasten den Beweis in Händen, dass die Energieversorgung seiner Montagewagen mit Kondensatoren möglich ist, und kennt die erforderlichen Investitionen. Wesentliches Merkmal solcher Theoprax-Projekte, deren Idee im Institut für chemische Technologie in Pfinztal-Berghausen entstanden ist und die von der bundesweit agierenden Theoprax-Stiftung (www.theo-prax.de) betreut werden, ist ihre Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Kooperationen ist die Zusammenarbeit zwischen Schülern und dem Unternehmen langfristig und eng. Das Projekt hat Echtheitscharakter, das Ergebnis wird erwartet und gebraucht, es muss zum vereinbarten Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Für technisch interessierte Schüler, die sich Gedanken über ein Ingenieursstudium machen, bietet das Gymnasium in der Taus in Zusammenarbeit mit Lorch Schweißtechnik GmbH in Auenwald tiefe Einsichten in die spätere Berufswelt – wie man es von einer guten Schule erwarten kann.

BKZ-Artikel vom 30.07.2011