Ungebremste Begeisterung für Chemie

Nahmen allerlei auf sich, um das Projekt in Hockenheim souverän erläutern zu können (von links). Die Tausgymnasiasten Ruth Rosenbauer, Nico Hjordt und Malin Altenmüller. Foto: privat

Schüler­trio präsen­tierte Erfolgs­projekt des Taus-Gymnasiums beim Chemie­lehrer­kon­gress in Hocken­heim

BACKNANG (pm). Vor beinahe sechs Jahren, im Januar 2006, begann mit dem Besuch einer Grund­schul­klasse aus Allmersbach am Wein­berg eine Erfolgs­ge­schichte am Gymnasium in der Taus. Damals betreuten elf Schüler der Mittel- und Ober­stufe unter der Feder­führung von zwei Chemie­lehrern 22 Kinder der 3. und 4. Klasse bei der Durchführung von Experi­menten. Es ging um die Herstellung eines Reagenz­gla­sstän­ders aus Gips, die Verwendung von selbst gewonnenem Blau­kraut­saft als Indikator saurer und alkalischer Lösungen, die Herstellung von tatsächlich funktio­nierendem Kleb­stoff aus Milch und die Unter­suchung der Farb­stoffe aus bunten Schoko­linsen.

Jetzt gab es nach 120 Experimentiernachmittagen für ebenso viele Grundschulklassen aus dem gesamten Einzugsgebiet des Tausgymnasiums einen neuen Höhepunkt für die Aktiven des Großprojekts. Der ständig zunehmende Bekanntheitsgrad der Backnanger Aktivitäten hatte die in Baden-Baden beheimateten Chemie-Arbeitgeberverbände Baden-Württemberg auf den Plan gerufen, welche die Chemie-AG des Gymnasiums in der Taus einluden, ihr Betreuungsprojekt auf dem im Rahmen des Dialogs Schule-Chemie in Hockenheim stattfindenden Chemielehrerkongress vorzustellen.

Für die Standbetreuer Ruth Rosenbauer und Nico Hjordt, beide Klasse 10, sowie Malin Altenmüller aus der Jahrgangsstufe 2 begann der Tag früh morgens gegen halb sechs Uhr, als sie von ihren Lehrern Dorothee und Günter Denninger zu Hause abgeholt wurden. Galt es doch, schon um sieben Uhr in Hockenheim zu sein und den Infostand aufzubauen, bevor ab acht Uhr die Besucher Zugang hatten. Pausenlose Gespräche zeigten das große Interesse der vielen Kongressteilnehmer, deren Wissensdurst von den Schülern am Stand souverän gestillt werden konnte. Mal wurde die Idee gelobt, dann ging es wieder um die chemischen Inhalte. Die hohe Betreuungsdichte von einem Gymnasiasten für zwei Grundschüler wurde genauso thematisiert wie die aufwendige Gesamtorganisation, welche an 20 Nachmittagen im Schuljahr bis zu 15 Betreuer eingeplant haben muss. Eine Leistung, die ohne die nicht hoch genug einzuschätzende Bereitschaft von bis zu 100 Schülern des Taus-Gymnasiums ihren zum Teil letzten freien Nachmittag in der Woche für die Kinder der Grundschulen von Großerlach bis Burgstetten immer wieder zu opfern, überhaupt nicht möglich wäre.

Nicht nur Lehrer weiterführender Schulen, die sich umfangreiches Informationsmaterial zur Durchführung ähnlicher Projekte an der eigenen Schule mitnahmen, und Grundschullehrer, die es bedauerten, nicht auch ein solches Gymnasium in der Nähe zu haben, waren am Stand. Es gab auch viele Vertreter der chemischen Industrie im Land, die sich als Eltern für die Aktivitäten des Taus-Gymnasiums interessierten und sich nunmehr in den Schulen ihrer Kinder für die Einführung entsprechender Aktivitäten engagieren wollen.

Das Interesse der Grundschulen in und um Backnang ist ungebrochen. Glühend vor Eifer und sprühend vor Begeisterung sind die Kinder nicht mehr zu halten, wenn es um die Chemie geht. Schon jetzt ist absehbar, dass die zur Verfügung stehenden Termine im laufenden Schuljahr kaum ausreichen werden, um allen interessierten Klassen einen Experimentiernachmittag im Gymnasium in der Taus zu bieten. Nur der Mittwochnachmittag steht dafür zur Verfügung. Denn dies ist der einzige Nachmittag, an dem alle bis zu 100 beteiligten Schüler keinen Unterricht haben und somit überhaupt die Möglichkeit besteht, die vielen Betreuer für die Grundschulkinder zu finden.

Die 22 Kinder der Grundschule Allmersbach am Weinberg, mit denen alles begann, sind inzwischen in der 9. und 10. Klasse. Einige von ihnen sind am Gymnasium in der Taus und sind jetzt begeisterte Betreuer ihrer Nachfolger. Sie erinnern sich gerne und freudestrahlend an ihren eigenen Experimentiernachmittag. So hat sich durch die anhaltende Kontinuität des Projekts inzwischen der Kreis geschlossen. Die älteren Schüler geben ganz im Sinne einer nachhaltigen Bildung und Erziehung ihre positiven Erfahrungen an die Jüngeren weiter. Das einfache und stimmige Konzept stand und steht dafür.



BKZ-Artikel vom 19.11.2011