Für Sicherheit im Schulbus und um ihn herum

Ausbildung von Busbegleitern: Fünf Jahre erfolgreiche Kooperation von Schickhardt-Realschule und Gymnasium in der Taus

Füße vom Sitz: Busbegleiterin Jasmin zückt ihren Ausweis von der Polizeidirektion Waiblingen und weist in dieser gestellten Szene Fahrgast Melike zurecht. Foto: privat


BACKNANG (pm). Die Schickhardt-Realschule und das Gymnasium in der Taus blicken auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zurück. Zum fünften Mal wurden Schüler der siebten und achten Klasse im Rahmen des Projekts Bus-Stopp der Polizeidirektion Waiblingen und des Omnibusunternehmens OVR zu Schulbusbegleitern ausgebildet. Insgesamt haben bisher um die 120 Schüler Busbegleiterseminare absolviert.
„Halt, stopp, ich bin Busbegleiter. Nimm bitte deine Füße vom Sitz und lass jemand anderen hinsitzen. Oder hast du für zwei Plätze bezahlt?“ Verdutzt ob der klaren Ansage schaut Melike auf und blickt in die Augen von Jasmin, die sie unmissverständlich fixieren. Der vorgehaltene Ausweis der Polizeidirektion Waiblingen, den die Schulbusbegleiterin einsetzt, tut ein Übriges, um den Konflikt zu lösen. Diskutieren und Abwiegeln ist nicht drin. Mit einem gemurmelten „Ich mach’ ja schon“ tritt die ertappte Sünderin den Rückzug an und gibt den Sitz neben sich frei. „Vielen Dank“, sagt Jasmin, geht weiter durch den Bus und wendet sich ihrer nächsten Aufgabe als Schulbusbegleiterin zu.
Solche und ähnliche Szenen werden sich in den nächsten Wochen und Monaten häufiger in den Schulbussen abspielen, die die Schulkinder von Aspach und Steinbach in die Schickhardt-Realschule und ins Gymnasium in der Taus und wieder nach Hause bringen. Diesmal war es nur ein Rollenspiel im Rahmen der Busbegleiterausbildung, perfekt inszeniert von den beiden Darstellerinnen. Die Ausbildung hat es in sich, viele Themenbereiche müssen abgedeckt werden.
Gestartet wird mit geballter Theorie. Polizeikommissar Gerhard Paulik führt in die Problematik des Busverkehrs ein und erläutert die dabei auftretenden Gefahren. Problematisch wird es schon, bevor die Schüler überhaupt im Bus sind. Jeder will der Erste sein, eine gefährliche Drängelei entsteht, und schon befinden sich Schüler vor dem einfahrenden Bus auf der Fahrbahn. Auch im Bus ist Vorsicht angebracht. Stolperfallen durch im Gang herumstehende Schultaschen, falsches Sitzen oder Herumturnen auf den Sitzen und leichtsinnige Missachtung von Haltemöglichkeiten bei den Stehplätzen werden im Fall einer Vollbremsung zu unabsehbaren Risiken.
Polizeihauptkommissar Klaus Ebner nimmt sich im nächsten Kapitel des Problems Gewalt an. Das Spektrum ist weitreichend. Gewalt gegen Sachen, körperliche Gewalt, verbale Gewalt, psychische Gewalt, Gruppenbildung, Mobbing und mehr kommt zur Sprache. Oft gehen die Impulse dazu von den Teilnehmern selbst aus, die in der vertraulichen Atmosphäre des Seminars freimütig eigene Erfahrungen preisgeben. Deutlich wird gemacht, welche Probleme die Busbegleiter, die immer in Zweiergruppen auftreten sollen, selbst angehen können und wann sie Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Hilfe gibt es von den Busfahrern und von den Lehrern, die das Projekt begleiten. Es sind dies Andreas Schöbinger von der Schickhardt-Realschule und Günter Denninger vom Gymnasium in der Taus. Es ist aber nicht von Bedeutung, welcher Schule ein Störer angehört. Er wird auf jeden Fall zur Rechenschaft gezogen.
Gut gerüstet in der Theorie, folgt die Praxis. Rollenspiele zuerst im Klassenzimmer und dann im Bus bringen mächtig Schwung in die Angelegenheit. Sehr überzeugend spielen die neuen Busbegleiter alle Unarten durch und machen es ihren Gegenspielern, welche die Busbegleiter mimen, richtig schwer. Schnell wird es selbstverständlich, als Busbegleiter ruhig und bestimmt aufzutreten und sich auf keine Diskussionen einzulassen.
Trotz des ernsten Hintergrundes macht die Ausbildung allen Beteiligten Spaß. Bei der abschließenden Fragerunde wird deutlich, dass sich die Busbegleiter gut auf ihre Aufgabe vorbereitet fühlen. Sichtlich stolz nehmen sie ihre Teilnahmeurkunden und die begehrten Ausweise in Empfang. Ein Erfolgsmodell sind die Busbegleiter allemal. Roland Schenkel vom Busunternehmen OVR stellte zufrieden fest, dass es mit den Busbegleitern ruhiger in den Bussen geworden ist und auch die Vandalismusschäden zurückgegangen sind.

BKZ-Artikel vom 16.03.2012