„Wir fallen aus dem Rahmen“

Kunst-Leistungskurs des Gymnasiums in der Taus hat sich die Innenstadt als Spielwiese ausgesucht – Mehrere Stationen

Spannende Projekte hat sich der Kunst-Leistungskurs des Gymnasiums in der Taus für seine diesjährige Abschlussarbeit einfallen lassen. An Stationen in der Stadt verteilt sind die Präsentationen unter dem Titel „Wir fallen aus dem Rahmen“ zu sehen. Interaktion durch das Publikum ist teilweise erwünscht

 

BACKNANG. Was macht eine nackte Frau im Foyer des Universum-Kinos? Warum kann man im DM-Drogeriemarkt Fotos auf dem Boden mit Füßen treten? Die 16 Teilnehmerinnen des Kunst-Leistungskurses am Tausgymnasium haben sich in diesem Jahr Außergewöhnliches einfallen lassen. Zum ersten Mal hat der Kurs aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs nicht gemeinsam mit dem Max-Born-Gymnasium stattgefunden. Bei einem Rundgang zu den Stationen stellten die Schülerinnen, die alle inzwischen das Abitur in der Tasche haben, ihre Kunstprojekte vor. Rektor Dr. Reinhard Ortwein eröffnete die Vernissage beim Start im Universum-Kino. In diesem Jahr gab es keinerlei Vorgaben für die Themen, informierte Kursleiterin Eva Schmeckenbecher. Grundidee war: „Die Taus-Schülerinnen kommen von ihrem Taus-Berg herunter und suchen sich selbstständig Orte in der Backnanger Innenstadt, an denen sie sich präsentieren können.“

Eine nackte Frau aus Schaumstoff empfängt die Besucher im Universum- Kino. „Wir möchten es wissen: Welche Vorstellung haben Sie von einer Frau?“, ist das Thema der Arbeit, die von den Schülerinnen Regina Butsch und Melissa Müller vorgestellt wird. Die Werke der Künstlerin Louise Bourgeois, die ein Schwerpunktthema im Kunstunterricht waren, haben sie zu der Arbeit inspiriert. Als eine Art Pinnwand soll die Schaumstoff-Puppe fungieren. Die Schülerinnen möchten erfahren, was von einer Frau in der heutigen Zeit erwartet wird oder welche Vorstellung man von einer modernen Frau hat. Betrachter sind aufgefordert, Beiträge dazu auf Zettel zu schreiben und mit Stecknadeln an die Puppe zu heften. „Kind und Karriere“ oder „Verständnis haben“ ist bereits zu lesen.

Weiter geht die Tour zum DM-Drogeriemarkt, wo Lisa Kapanke, Nicole Heinrich und Christine Schäfer ihr Projekt mit dem Titel: „Was ist Illusion? Was ist Wirklichkeit?“ vorstellen. Fotos von Personen sind auf den Fußboden und an eine Glaswand geklebt. Die Bilder wurden direkt vor Ort aufgenommen und sollen imaginäre Welten erschaffen. Teilweise liegen die Personen auf dem Boden des Drogeriemarktes und sind von oben fotografiert. Eine Schwarz-Weiß-Serie soll die Illusion erschaffen, als existiere eine Welt unter dem Fußboden des Marktes, in die durch eine Glasscheibe Einblick gewährt wird.

„Wir erweitern Ihre Sichtweise“ heißt das Thema am Weltladen in der Fußgängerzone, das Luca Platzer, Melina Wochner und Franziska Mohr vorstellen. Im Schaufenster sind Zeichnungen zu den Themen „Dritte Welt“ und „Industrienationen“ ausgestellt. Die Hand mit wenigen Reiskörnern ist der üppigen Zuckertorte gegenübergestellt. Architektonische Modelle einer Bambushütte und einer Villa ergänzen die Ausstellung, in der es um Ungerechtigkeit geht. Im Innern des Weltladens zeigt eine Diaprojektion Gemälde der 16 jungen Kunstschaffenden.

Für die Schülerinnen war es gar nicht so einfach, geeignete Ausstellungsorte zu finden. So manches Mal wurde ihre Anfrage abgelehnt. Der leer stehende Laden an der Bushaltestelle Gerberstraße wurde einer Gruppe für ihr Projekt zur Verfügung gestellt. „Warte, zeit ist Kunst!“ ist ihr Titel mit dem Zusatz „Verkürzen Sie Ihre Wartezeit und entdecken Sie unser Ausstellungsstück“, das Marlies Windmüller und Donata Koschel präsentieren. Die Schaufenster des Geschäfts sind von innen mit Papier beklebt. In diesen Sichtschutz haben die Schülerinnen Silhouetten von wartenden Menschen geritzt, und Gucklöcher geben den Blick ins Innere auf Fotos oder eine Diaprojektion frei. Wie ist die Körperhaltung verschiedener wartender Menschen? Was denken sie, während sie an der Haltestelle ausharren? Etwa an das Abendessen, das zu Hause bereitsteht? Auf einer Papiersilhouette am Schaufenster können Passanten ihre Gedanken dazu niederschreiben.

Um die zunehmende Digitalisierung geht es in dem Projekt, das Ina Köhler, Julia Rommel und Berenike Thoma vorstellen. An Litfaßsäulen und Geschäften in der Stadt haben sie QR-Codes angebracht, die mit dem Smartphone gescannt werden können und direkt auf die Internetseite des Kunst-Leistungskurses leiten, wo die Arbeiten der 16 Schülerinnen aus zwei Jahren präsentiert werden. Das Projekt „Taus in the City“ findet noch bis Mittwoch, 4. Juli, statt.

BKZ-Artikel vom .??.??