„Mann, lass dich nicht küssen“

Tausgymnasiasten laden zur Aufführung des Horváth-Stücks „Der jüngste Tag“ im Traumzeit-Theater ein. Es geht um Schuld und Verantwortung: Die Theater-AG des Tausgymnasiums führt das Ödön-van-Horváth-Stück „Der jüngste Tag“ im Traumzeit-Theater auf. Auch geprobt wurde seit Oktober 2011 auf der großen Bühne des Theaters. Heute um 20 Uhr ist Premiere. Eine weitere Aufführung gibt es am Freitag.

Sie proben schon seit Monaten in einem echten Theater: Tausgymnasiasten. Die Kooperation mit dem Traumzeit-Theater besteht schon seit fünf Jahren. Foto: J. Fiedler


Von Ingrid Knack
BACKNANG. Es ist ein spannender Stoff. 1937 wurde das Stück um den Stationsvorsteher Hudetz und dessen Beteiligung an einem Zugunglück uraufgeführt. Wie in allen Volksstücken van Horváth (zu den Bekanntesten zählen „Geschichten aus dem Wiener Wald“ oder „Kasimir und Karoline“) gehören die Figuren dem armen Mittelstand an. Die Tragweite dessen, was sie tun, wird ihnen nicht oder zu spät bewusst. Sie verstricken sich in Schuld, das Unheil hatte sich allerdings schon lange zuvor angekündigt. Statt die Notbremse zu ziehen, sind die Figuren aber Meister im sich und andere Belügen, sie verschleiern, was offen gelegt werden sollte, und reden aneinander vorbei. Das alles führt letztlich zum Fiasko. Ein aktuelles Thema auch heute.
Seit fünf Jahren gibt es die Kooperation des Backnanger Tausgymnasiums mit dem Traumzeit-Theater. Schüler Tobias Klotz wird zudem an Licht und Ton „ausgebildet“ und erhält am Ende ein Praktikumszeugnis. Auch bei anderen Vorstellungen im Traumzeit-Theater durfte er schon assistieren. Studienrätin Annette Mennenkamp, die das Oberstufen-Wahlfach „Literatur und Theater“ unterrichtet, in dessen Rahmen die Proben und Aufführungen stattfinden, hat zusammen mit ihrer Kollegin von der Theater-AG, Rebekka Weisbach, das Stück ausgesucht.
Literatur und Theater: Bald ist die Pilotphase am Tausgymnasium vorbei, nach den Schulferien beginnt die „Regelphase“, so Mennenkamp. Anders als bei einer AG sind die Inhalte breiter gefächert, und es gibt auch Noten. Nicht nur das Schauspielern steht im Vordergrund, neben der Praxis wird das Augenmerk zudem auf die Theorie gerichtet. Auch Texte werden selbst geschrieben.
Als die Schüler das erste Mal im Traumzeit-Theater probten, war gleich eine andere Atmosphäre spürbar, die in einem Klassenzimmer nicht aufkommt, erinnert sich Mennenkamp.
Der Untertitel des Horváth-Stücks heißt übrigens: „Mann, lass dich nicht küssen!“ Bahnhofsvorsteher Hudetz hat vor Jahren, ohne darüber nachzudenken, eine wesentlich ältere Frau geheiratet, die er aber nicht liebt und die ihn nun mit ihrer ständigen Eifersucht quält. Eines Tages verwickelt ihn Wirtshaustochter Anna bei der Arbeit in einen Flirt. Hudetz versäumt es darüber, rechtzeitig ein Signal zu stellen, und das Unglück nimmt seinen Lauf. Aufführungstermine sind am Donnerstag und Freitag, 12. und 13. Juli. Einlass ab 19, Beginn um 20 Uhr. Karten (Schüler/Studenten/ermäßigt: 4, Erwachsene: 8 Euro) gibt es im Traumzeit-Theater oder im Gymnasium.

BKZ-Artikel vom 12.07.2012