Proben und Spielen auf einer richtigen Bühne

Theater-AG des Gymnasiums führte Ödön van Horváths Stück „Der jüngste Tag“ im Traumzeit-Theater auf. Fünf Jahre lang hat Theaterdirektor Michael Holderried der Theater-AG des Gymnasiums in der Taus die Möglichkeit geboten, ihr Stück auf einer professionellen Bühne zu präsentieren. Dieses Mal fanden sämtliche Proben im Traumzeit-Theater statt. Mit technischen Effekten ausgestattet, zeigten die Schüler das Ödön-van-Horváth-Stück „Der jüngste Tag“.

Von Claudia Ackermann

Spielten bei den Aufführungen im Traumzeit-Theater überzeugend (von links): Kommissar (Paulina Herrmann), Anna, die Wirtstochter (Miriam Bornhak) und ihr Vater, der Wirt (Paul Wurche). Foto: J. Fiedler

BACKNANG. Es ist schon eine andere Atmosphäre als in einer Schul-Aula, wenn perfekte Beleuchtung und Effekte, wie gespenstische Nebelschwaden oder die Stimmung unterstützende Musik, eine Schüler-Aufführung begleiten. Und auch für die jugendlichen Mimen ist es ein besonderes Gefühl, auf einer richtigen Theaterbühne zu stehen, vor ausverkauften Rängen. Die letzten Jahre fanden Proben jeweils eine Woche lang vor der Premiere im Traumzeit-Theater statt. Dieses Schuljahr wurde die gesamte Theater-AG ins Theater verlegt. Mal probten die Schüler unter Leitung von Annette Mennenkamp und Rebekka Weisbach im kleinen Theater Pegasus, mal auf der großen Bühne im Gewölbekeller. Herausgekommen ist eine Aufführung, die sich vor so manchem professionellen tourenden Theater nicht verstecken muss. In Ödön von Horváths Stück „Der jüngste Tag“, das 1937 uraufgeführt wurde, geht es um den Bahnhofsvorsteher Hudetz (Dennis Weber), der mit einer 13 Jahre älteren und krankhaft eifersüchtigen Frau (Celina Schmid) verheiratet ist. Von der jungen Dorfwirtstochter Anna (Miriam Bornhak) wird er bei seiner Arbeit in ein Gespräch verwickelt und geküsst, obwohl diese mit Ferdinand (Sebastian Aldinger) verlobt ist. Das Drama nimmt seinen Lauf. Zu spät betätigt der „pflichtgetreue Beamte“ ein Signal, und es kommt zu einem folgenschweren Unfall – achtzehn Menschen sterben. Verletzte, wie der Schaffner Kohut (Richard de Buhr) retten sich, Körperteile (Puppenarme) werden auf der Bühne eingesammelt. Der Gendarm (Mareike Glock) und der Kommissar (Paulina Herrmann) untersuchen den Fall, wobei es zu Falschaussagen und einer Verstrickung von Lügen kommt. Für das Bühnenbild, mal spielt die Handlung in der Bahnhofshalle, mal im Wirtshaus bei Kellnerin Leni (Tatjana Steck) und dem Wirt (Paul Wurche), der ganz schön rabiat werden kann, dann bei der gestrengen Staatsanwältin (Julia Rommel) oder in der Drogerie des Bruders (Paul Matena) der Ehefrau Hudetz, haben sich die Schüler Besonderes einfallen lassen. Die Umbaupausen wären zu zeitraubend und aufwendig gewesen. Deshalb kam man auf die Idee, lediglich stabile Kartons für das Bühnenbild zu benutzen. Schnell und während des Spiels sind sie umgestapelt. Mal fungieren sie als Bahnhofs-Wartebank, wo die amüsant geschwätzige Leopoldine Leimgruber (Adriana Juric) zu einem Handelsvertreter (Nikolas Douglas Schwartz) oder dem Waldarbeiter (Lara Kappel mit aufgemaltem Bart) aus dem Nähkästchen plaudert, oder werden zum Wirtshaus-Tresen, wo ein Gast (Lehrer Artur Ulmer) vehement nach seinem Bier verlangt. Besonders Miriam Bornhak, in der Rolle der Anna, besticht durch ihr schauspielerisches Talent und ihre Wandlungsfähigkeit. Schon mehrmals hat sie Hauptrollen bei der Theater-AG des Tausgymnasiums gespielt. Jetzt hat sie ihr Abitur in der Tasche. Im Stück „Der jüngste Tag“ ist sie mal die kokette, kindliche Verführerin, mal die Erschrocken-Ängstliche, die am Ende sterben muss. Jede Rolle nimmt man ihr ab. Gespenstisch ist die Szene am Viadukt. Die Kartons sind zu Sockeln aufgebaut, auf denen Schüler stehen, die, verhüllt mit weißen Tüchern, Bäume darstellen. Blaues Licht unterstreicht die kühle Atmosphäre. Psychedelische Musik setzt ein. Der tote Lokomotivführer Pokorny (Sofia Küchen) und der Streckengeher (Viktoria Hartmann) wandeln wie robotergleiche Untote durch die unwirkliche, von Nebelschwaden eingehüllte Landschaft. Das ist ein Theatererlebnis, wie es nur auf einer professionellen Bühne möglich ist.

BKZ-Artikel vom 18.07.2012