Ins eurpäische Lernnetzwerk integriert

Delegation des Backnanger Gymnasiums in der Taus nahm an Comenius-Konferenz in Finnland teil

BACKNANG (pm). Ein Blick aus dem Flugzeugfenster genügte. Die ins leuchtende Rot des Herbstes getauchte Tundra der Tunturis, das in der Herbstsonne glitzernde Gelb, Rot und Braun der Blätter empfing die Lehrer und Schüler des Istituto Istruzione Superiore – Guido Monaco Di Pomposa – aus Codigoro/Italien und des Gymnasiums in der Taus. Die Finnen nennen die Zeit dieses eindrucksvollen Farbenspiels Ruska-Aika. Tagungsort für die IV. BON-Comenius-Konferenz war Vaala, eine Gemeinde in der Wildmark, im Rouka-Nationalpark und an den Ufern des Oulujärvi, mit etwa 3300 Einwohnern.

Das BON-Comeniusprojekt „Biodiversität und ökologischer und ökonomischer Mehrwert von Naturlandschaften“ versucht an konkreten Beispielen, die Zielsetzungen der Biodiversitätskonferenz (CBD) im japanischen Nagoya (2010) und der UN-Artenschutzkonferenz im indischen Hyderabad (2012) pädagogisch, methodisch und didaktisch umzusetzen. Partner im Projekt sind der Naturpark Schwäbischer-Fränkischer Wald, der Parco del Po und der Geopark Rokua.

Schwerpunkt der zweiten Phase des Projekts sind Untersuchungen über die Nachhaltigkeit und die ökologisch-ökonomische Bedeutung von Natur- und Geoparks für Mensch und Natur. Das Thema erneuerbare Energien soll etwa durch Flusswasserkraftwerke entlang dem Fluss Oulujoki, den Naturstromspeicher Gaildorf und durch Solarenergie, Biogas und Geothermie im Raum der Emilia Romagna erarbeitet werden. Eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus, sanfter Tourismus, Individualtourismus oder Massentourismus sind bedeutende Untersuchungsziele im Projekt.

Alte Tierrassen wie das Schwäbisch-Hällische Landschwein, das Limpurger Rind, der Ostseelachs und die Comacchio-Aale im Po-Delta sollen dokumentiert werden. Die Bedeutung alter Nutzpflanzen, wie Dinkel, Reis und finnische Gerste sollen herausgestellt werden.

Bindeglied zwischen Mittelmeerraum, Mittel- und Nordeuropa waren in der Geschichte Salz, Glas und Teer. Die alten Handelswege sollen durch Quellenanalysen erschlossen werden. Bei einem Rückblick auf die erste Projektphase resümierte Schulleiter Dr. Reinhard Ortwein: „Das Gymnasium in der Taus ist voll in den europäischen Lernprozess integriert, so stelle ich mir vernetztes europäisches Lernen im Life-Long-Learning-Prozess vor.“ Mit großem Elan und Engagement widmeten sich Lehrer, Eltern und Schüler dem Thema Artenvielfalt oder Biodiversität. Projektergebnisse wurden auf europäischer Ebene präsentiert und ausgetauscht, Umweltschutztage arrangiert, und Gasteltern nahmen finnische, italienische und deutsche Schüler in ihren Familien auf. Themen wie biologische Vielfalt, Flora und Fauna sowie geografische Faktoren wie Relief, Boden und Klima wurden in den Unterricht integriert oder in Individualarbeiten ausgearbeitet.

Beim Rundgang durch das Bildungszentrum in Vaala schlugen die Herzen der Pädagogen höher. Kleine Klassen von 10 bis 20 Schülern, jedes Klassenzimmer mit einer digitalen Whiteboard ausgerüstet, eine lichtdurchflutete Mensa, geführt von einer Ernährungsberaterin, gesundheitliche und pädagogische Betreuung der Schüler durch eine Krankenschwester und pädagogische Assistenten dokumentieren die Leistungsfähigkeit des finnischen Schulsystems.

Die Insel Manamansalo ist ein Beispiel für die Geschichte der Wildmark in Kainuu, geprägt von Teerherstellung, Fischfang und dem Lernen in einer Landschule. Der romantische Ausblick auf den Oulujärvi vom Tunturi von Vaarankylä aus und der Besuch der Holzkirche von Säräisniemi erschlossen den Schülern beim Umweltschutztag Land und Leute in der nördlichen Region Finnlands. Ein Besuch des Universitäts-, Bildungs-, Handels- und Wirtschaftszentrums Oulu beendete die Konferenz, die Ende Januar in Backnang fortgesetzt wird.

BKZ-Artikel vom 03.11.2012