Wir wissen zu wenig voneinander

F├╝r die Schüler ungewohnt: Bevor man den Gebetsraum in der Moschee betritt,
zieht man die Schuhe aus. Foto: privat

Katholische Schüler der achten Klasse des Gymnasiums in der Taus besichtigten die Moschee in Backnang

BACKNANG (pm). Kürzlich hatten die katholischen Schüler der achten Klasse des Gymnasiums in der Taus die Möglichkeit, die Moschee in Backnang kennenzulernen. Gürol Gündogan, Mitglied des Vorstands der türkischen Gemeinde in Backnang, brachte den Schülern den Islam ein wenig näher. Die Moschee in einem ehemaligen Fabrikgebäude hat viele Aufgaben wahrzunehmen: Dort treffen sich gläubige Muslime zum Gebet, es findet Koran- und Nachhilfeunterricht statt, es gibt einen kleinen Kindergarten, und dort besteht die Möglichkeit, die eigene Kultur zu pflegen, aber auch Fußball anzuschauen.

Im Fastenmonat Ramadan werden dort 300 Gläubige an jedem Abend beim Fastenbrechen verköstigt. Wenn ein frommer Muslim sich Allah im Gebet nähern möchte, gilt es zuerst einmal, sich durch rituelle Waschungen darauf vorzubereiten, um rein von Sünden beten zu können. Für die Schüler war auch ungewohnt, dass man die Schuhe auszieht, bevor man den Gebetsraum betritt. Gündogan, der selbst in der freien Wirtschaft tätig ist, betet auch im Büro, denn das fünfmalige Gebet am Tag gehört zu den Säulen des Islam. Wichtig ist vor allem das Freitagsgebet in Gemeinschaft in der Moschee. Nicht alle etwa 230 aktive Mitglieder sind dann versammelt. Pensionäre sind da zeitlich flexibler wie der ehemalige Imam, der regelmäßig die Gebete in der Moschee anleitet, erkennbar an seiner Kopfbedeckung.

Die Frage nach der Kopfbedeckung im Islam war auch den Schülern eine wichtige, nämlich das Kopftuch der Frauen. Muss eine fromme Muslima ein Kopftuch tragen? Gündogan betonte, dass dies ein Gebot des Koran sei, es gäbe auch ein breites Spektrum von Frauen, die dies auch so praktizieren, aber auch andere, die ihr Haar nicht bedecken. Auf weitere Fragen gaben das Mitglied des Vorstands und der ehemalige Imam bereitwillig Antwort. Was bedeutet beispielsweise das Wort Islam, so eine Frage der Jugendlichen. Islam bedeutet Gottergebenheit, Heil und Frieden und hat nichts mit Terrorismus zu tun. Vielmehr ist ein Ziel jedes frommen Muslim und jeder frommen Muslima eines Tages an der großen Wallfahrt in der Hadsch-Zeit (etwa zwei Monate nach dem Ramadan) nach Mekka teilzunehmen. So wie im Judentum und Christentum auch hat eine Wallfahrt eine wichtige religiöse und psychische Bedeutung für den frommen Menschen.

Was können Christen tun, um Vorurteile in Bezug auf den Islam abzubauen? Gündogan betonte, dass sich Christen vom Islam kein Bild machen sollten, wie er in der Boulevardpresse dargestellt werden würde. Verständnis, Interesse und Kommunikation seien sinnvoller als Klischees und Vorurteile. Was können Muslime tun, damit sie besser von Nichtmuslimen verstanden werden? „Erkläre dich selbst, bevor dies andere für dich übernehmen. Öffnet euch“, so das Anliegen Gündogans in Bezug auf seine Glaubensgeschwister. Im Islam selbst steckt das Wort Salam und das heißt Friede. „Wenn jemand jemand anderes tötet, tötet er die gesamte Menschheit“, so eine muslimische Weisheit. Wer Religion für seine radikale politische Botschaft instrumentalisiert und Hass predigt, vergisst die goldene Regel, die es im Islam wie im Juden- und Christentum auch gibt: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen.“



BKZ-Artikel vom 27.11.2012